Thema des Martinstreffs am 12.05.2009 war:
Drei Monate in INDIEN
Reise & Erlebnisbericht
Pfarrer
Christoph Sames berichtete über seine Erlebnisse auf der
Studienreise nach Indien. Die vielen Fotos können hier leider
nicht wiedergegeben werden. Für alle die nicht am Martinstreff
teilnehmen konnten, hier seine Kurzberichte aus der Zeit in
Indien:
E-Mail vom Donnerstag, 12. Feb 2009 06:50
Liebe Freunde !
Von vielen von euch
habe ich in den letzten Tagen nette Geburtstagsgrüße aus "old
Germany" erhalten. Dafür erst einmal herzlichen Dank.
Ihr könnt Euch
vorstellen, so einen Geburtstag habe ich bisher natürlich
überhaupt noch nicht erlebt. Am Abend waren wir in einem
Open-Air-Konzert bei milden ca. 25° C., zu dem Ronjas Freundin
aus der Schule uns eingeladen hatte. Sie singt hier in einem
Jazz and Pop Chor (halb indisch halb europäische Besetzung) mit,
den Mareikes Musiklehrer leitet.
Mittags saßen wir in
einem Kaffeehaus mit französischem Ambiente und ließen es uns
europäisch gut schmecken. Am Sonntag Abend lud ich dann noch 10
mittlerweile Bekannte + natürlich die eigene Familie zu einem
typisch hyderabadischen Essen ein.
Lange habe wir nichts
von uns hören lassen. Allerdings hat das natürlich auch seine
Gründe. Nicht nur die täglichen Strom und Internetausfälle der
letzten Wochen auch mancher Programmpunkt und viele Ereignisse,
die so ganz ungeplant kamen, wie z.B. eine indische Hochzeit, zu
der uns Bischof "Dywa" einlud und die wir gestern Abend mit ca.
400 weiteren Personen erlebten, kamen dazwischen.
Ein privates
Medienspektakel sondergleichen. Das Ehepaar, deren Hochzeit wohl
arrangiert worden war, kennt sich nach Aussage der Frau des
Bischofs erst seit 3 Monaten. 8 Pfarrer und 5 Fotographen ließen
uns das Gefühl erleben, wie in einem Filmstudio eine Hochzeit
gedreht werden könnte. Nicht nur Braut und Bräutigam auch die
Zuschauer und Pfarrer wurden immer wieder in gleißendes Licht
getaucht oder vom eigentlichen Geschehen abgeschirmt. Ich war
einmal mehr glücklich, dass wir bei uns bei Gottesdiensten in
unserer Gemeinde allenfalls einen dezenten Einsatz von Foto und
Kamera gestatten.
Am Sonntag besuchten
wir mit 3000 weiteren Christen eine der größten Kirchen
Südasiens. Sicher für Mareike und uns alle anderen einer der
längsten Gottesdienste in meinem Gedächtnis. Nicht nur weil er
satte 2,3/4 Stunden dauerte, sondern weil Telugu gesprochen und
gesungen wurde, einer Sprache bei der man aber überhaupt nichts
verstand. Wir bekamen natürlich die Ehrenplätze im Altarraum und
konnten uns nicht einmal während der einstündigen Predigt
verdrücken. Zum Schluss wurden Hühner, Lämmer und Reis als Dank
für den Segen gespendet, den sogar wir europäischen Pfarrer
persönlich mit an die Menge der Menschen austeilen konnten
(sogar in Deutsch- Gott verstehts!) Ein Essen in des Bischofs
Haus war inbegriffen. Nach zwei geschlagenen Stunde auf der
Piste waren wir wieder in unserer Oase, dem Henry-Martin
Institut. Hier fühlen wir uns mittlerweile ein Stück zu Hause.
Inzwischen mischen sich
bei mir manche Gefühle. 'Frust über manches, was im Alltag
wieder mal aus welchen Gründen nicht geht.... (Wasser, Internet,
Ausleihen von Büchern, das leidige Verhandeln mit den "mini
Taxifahrern" oder beim Einkauf mit den Verkäufern, die einen
nach allen Regeln der Kunst übers Ohr hauen und und und...

Und die Faszination
über die Freundlichkeit und die Offenheit und die
Improvisationskunst in manchen Situationen. 16 Personen sah ich
z.B. am Sonntag in dem Dreirad auf dem Bild oben.
Familienausflug etwas eng zusammen gepfercht.
Ganz privat kommen
allerdings Sorgen um meinen Vater von zu Hause. Sein
gesundheitlicher Zustand hat sich in den letzten Monaten
verschlechtert, so traf uns die Diagnose weiterer Metastasen
hier soweit von zu Hause sehr. Wir wissen nicht, ob uns das zu
einem früheren aufbrechen aus Indien zwingt. Noch wissen wir Ihn
in guter Pflege, nicht zuletzt durch meine Geschwister und
natürlich meine Mutter. Möge er vor allem in Gottes Händen
geborgen und durch unsere Gebete auf seinem Weg täglich
begleitet sein.
Das Leben hier im
Institut hingegen hat sich zunehmend eingespielt. So werden wir
kulinarisch experimentierfreudiger. Anfangs galt noch die Regel
"Peel it boil it or forget it"
Mittlerweile haben wir ein Gefühl entwickelt, was noch ok ist zu
essen. Hoffentlich ist es kein Gefühl, das uns trügt. Noch
wurden wir von größeren Durchfällen verschont. Das Essen ist
nach 6 Wochen doch etwas abwechslungsarm. Bei aller Liebe zum
Gewürz werden wir uns sicher auch auf europäische Abwechslung
freuen.
Abnehmen konnten wir
aufgrund der doch recht fetten Küche bisher nicht. Aber
verhungern weil es uns nicht schmeckt müssen wir auch nicht.
Kirsten hat in den letzten 2 Wochen morgens um 6 Uhr an einem
Yogakurs teilgenommen. Er entpuppte sich aber eher als
Gymnastikkurs. Heute hat Kirsten die alltägliche "Devotion"
übernommen und hat den Versuch unternommen ein Paket auf den
Seeweg zu schicken. Es gestaltete sich nicht nur wegen der
Bürokratie und des Zolls schwierig. Wir werden einen zweiten
Versuch unternehmen müssen. So sind auch kleine Dinge hier
manchmal vormittagfüllend und doch nicht vollendet.
Ich freue mich mit Euch
einige unserer Erfahrungen und Eindrücke teilen zu können. Damit
die heute den Weg zu Euch finden, will ich sie heute noch vor
dem Abendessen wegschicken.
Deshalb soweit für
heute
Christoph
E-Mail vom Mittwoch, 21. Jan 2009 14:05
Liebe Freunde und
Bekannte zu Hause!
14 Tage ist es nun her,
seit wir uns von Deutschland auf den Weg hier in die Mitte
Indiens gemacht haben.
Heute, als wir mit
einer Gruppe in den anglikanischen Gottesdienst gefahren sind,
wurde mir so bewusst, an wie viel man sich hier schon gewöhnt
hat. Ein wenig verunsichert es mich selbst, wie ich manche Armut
und den unglaublichen Dreck die Verschmutzung am Straßenrand und
durch den Verkehr aber auch die Blicke, die jeden Europäer hier
in Augenschein nehmen, mit der Zeit verdränge.
Einen kleinen Einblick
über die ersten Tage habe ich Euch ja gegeben.
Leider konnte ich
unsere Kinder nicht dazu bringen ein paar Bilder von Ihrer
Schule zu machen und einige Bilder sind mir auch durch einen
nicht funktionierenden Kartenleser kaputtgegangen. Aber ich
denke, dass Ihr trotzdem ein paar schöne Eindrücke durch die
Bilder erhaltet.
Es war schon ein
seltsames Gefühl vom Winter in den Sommer zu reisen.
hier sitze ich gerade
in kurzer Hose und T-Shirt beim schreiben und höre von den
Temperaturen, die in Europa alle die Zähne klappern lassen.
Anfangs als wir in der
Mitte der Nacht am Flughafen abgeholt wurden war mir merkwürdig
zu mute. Was wird uns in den nächsten Wochen hier erwarten, wie
werden die Kinder die andere Umgebung ertragen, wie wird man
hier mit seinen Bescheidenen Englischkenntnissen durch kommen.
Werde ich die Entscheidung bereuen. Was macht man denn drei
Monate.
Ich hatte mir Bücher
zum Selbststudium mitgebracht: Der Glaube der Hindus, der
Moslems, der Juden.
Ein etwas tieferes
Verständnis erhoffte ich mir, aber es waren natürlich alles
Bücher mit europäischer Brille. Ich stellte fest, dass die
täglichen Ereignisse mir anfangs kaum Zeit zum lesen ließen.
Die ersten Tage
verbrachten wir damit uns einzugewöhnen. Wo ist etwas zum
Einkaufen, wie weit ist es in die Innenstadt, wie teuer ist dies
und das, welcher Bus bringt uns wohin und wie vertragen wir wohl
das Essen hier.
Es war mir mulmig zumute, als wir mit Traveller Checks das Schulgeld für die Schule
unserer Kinder abheben mussten.
Für viele hier sind es
mehrere Jahresgehälter. Ein kleiner Überfall, Tasche weg und der
Rest des Aufenthaltes hätte sich sehr schwierig und unangenehm
gestaltet.
Aber alles ließ sich
regeln.
Als wir zur angegeben
Adresse uns mit einem Fahrer zur Schule mit den Kindern
aufmachten, stellte sich heraus, dass wir in die "Primary
School" also in die Grundschule geschickt wurden. Obwohl wir
mehrfach gemailt hatten und die Unterlagen mit Einschreiben
verschickt hatten; wusste natürlich keiner Bescheid. "Typisch
Indien", entgegnete uns die Vizepräsidentin der Schule, aber
keine Sorge, dass lässt sich alles regeln. Und tatsächlich...
Die Schule für unsere Kinder sei weitere 20 KM außerhalb in
einem Teil der Stadt, der eher von den Indischen
Computerfachleuten bewohnt wird.
Nicht Hyder- sondern
Cyberrabad nennen manche den Teil, in der die indische
Wirtschaft vor allem durch die Computerbranche boomt. Überall
Security, ohne Anmeldung hätten wir hier keine Chance gehabt.
Aber es hatte sich schließlich gelohnt. So eine Schule zeichnet
sich durch entsprechend kleine Klassen gut ausgebildete Lehrer
und die entsprechende Ausstattung aus. So fahren unsere Kinder
allerdings nun nach einer knappen halben Stunde "Autoriksha" Mit
dem schuleigenen Bus noch eine knappe Stunde durch den
chaotischen Verkehr zur Schule. Ein langer Weg und ein langer
Tag.
In der ersten Woche
lernten wir neben dem neuen Direktor Manimala, einem
Franziskaner aus Kerala, der auch gerade ins HMI (Henry Martyn
Institut) gezogen ist, Deutsche Mitkollegen aus Mainz und
Friedberg, eine dänische Familie mit drei blonden kleinen
Kindern (ihr könnt euch nicht vorstellen, wie das hier in Indien
auf die Leute wirkt) und einen Professor aus den Niederlanden,
der sich auf Hinduismus spezialisiert hat, kennen.
Zwei Vorträge über
"Jesusfilme" speziell auch indische und der Einfluss des
Hinduismus in den Niederlanden (vor allem durch die Kolonie
Surinam - ehemals niederländisch Guyana).
Auch der Direktor
musste sich einfinden und so besuchten wir mit allen erwähnten
Personen eine Mennonitische´s Biblecollege und ein vom HMI
organisiertes Zentrum, dass genau an der Grenze zwischen einem
Muslimischen und einem Hinduistischen Stadtteil liegt.
In den 90er Jahren
brachen an dieser Stelle der Stadt und noch an anderen
gewalttätige Spannungen zwischen Hindu- und Moslemfanatisten
aus, die zu blutigen Unruhen und wochenlangem Ausnahmezustand in
der Stadt führten. Der vor kurzem in den Ruhestand
verabschiedete Direktor Andreas de Souza, auch ein ehemaliger
Franziskaner, hat darauf hin dem Institut hier mit vielen
anderen einen neue Richtung gegeben.
Während früher die
Ausrichtung in der Erkundung des Islams lag, um ihn besser
missionieren zu können, was allerdings in den früheren
Jahrzehnten, bis auf einzelne Ausnahmen, eher erfolglos gewesen
ist, geht es seit den Unruhen der 90er Jahre darum, Moslems und
Hindus (natürlich auch Christen) an einen Tisch zu bekommen.
Der zunehmenden
Spannung und Polarisierung zwischen den Religionen, die gerade
in den letzten Jahren, sicher auch durch die Nahostkriege und
Afghanistan zugenommen haben, will man mit Dialog und dem Wissen
über Aussöhnung begegnen. (BSP: Südafrika)
Schon immer gab es
Gespräche und Kontakte zwischen den Konfessionen gerade auch auf
höherer und akademischer Ebene, aber das war nicht genug, dass
waren allzu oft Worte oder graue Theorie. Jetzt aber kauft das
HMI ein Haus in besagtem Stadtgebiet zwischen Hindus und Moslems
und stellt neben einer Ärztin und einer Krankenschwester, die
eine medizinische Erstversorgung auch gerade für die Armen
anbieten, einen Kindergarten, eine Grundschule und eine
Nähklasse für arbeitslose Frauen mit den entsprechenden
Lehrkräften zur Verfügung.
All das sind Angebote
für wenig Geld, bei denen darauf geachtet wird, dass sowohl
Hindus wie auch moslemische Lehrerinnen vor Ort sind. (Christen
wohnen in diesem Viertel nicht). Kinder lernen gemeinsam die
Eigenarten und Feste der jeweils anderen Religion kennen und
schätzen und feiern zusammen.
Die Kontakte zur
"Normalbevölkerung" stiegen seither sprunghaft an. Auch hier im
Institut sind moslemische Sprach und Philosophielehrer, wie auch
Mitarbeiter für verschiedene Workshops angestellt. Die
allmorgendliche Devotion (=Andacht) wird überwiegend von
Christen aber auch von Hindus und Moslems gehalten. (Übrigens,
keine Angst- ich habe dadurch meinen Glauben nicht verloren!) Es
freut mich Menschen auch in anderen Religionen zu entdecken und
kennen zu lernen, denen so alltägliche Ziele, wie ein
friedvolles miteinander Auskommen ebenso wichtig sind wie mir.
Es freut mich einander Fragen zu stellen: wie ist das zu
verstehen mit der Wiedergeburt, oder Wie steht es mit der
Bekleidung der Frauen bei den Moslems? Was ist religiös, was
ist kulturell bedingt?
Das Gespräch zwischen
den Religionen forderte gegenseitigen Respekt und Anerkennung.
Weitere Projekte des
HMI, die sich besonders der sozialen Unterschiede und der
Aussöhnung sehr verfeindeter Gruppen widmen spielen eine immer
größere Rolle.
So entwickelte sich das
HMI zu einem internationalen Zentrum der Aussöhnung und des
interreligiösen Dialogs.
Ich weiß, das
vielleicht einige diese Beschreibung als "Multikultigeschwafel"
abtun mögen. Hier in Indien, wo die Christen mit 2% nur eine
winzige Minderheit sind und dennoch fast 50 Millionen Mitglieder
verschiedenster Kirchen ausmacht ist dieses mit anderen
Religionen auskommen Lebensnotwendig.
Gerade wenn ich die
ganz praktischen Projekte neben der Forschung hier im Institut
sehe, wenn ich Frauengruppen hier aus der Stadt im Seminarräumen
oder im Projekt sehe, die sich selbst gegenseitig helfen und im
Friedensprozess unterstützen, der auch immer Bildung und
Entwicklung bedeutet, dann habe ich Hoffnung, dass hier wirklich
Gutes geschieht und entsteht.
Wir konnten nach einer
Woche in einen Workshop über Konfliktmanagement und
Friedensbewegung teilnehmen. Anfangs dachte ich dass mich gerade
das viele "Indienenglisch" völlig überfordern würde, aber nach
einer geschlagenen Woche habe ich Respekt auch für meine
Zuhörer, da mir doch immer wieder Grammatische Fehler passieren
und mir die Vokabeln fehlen. All das sieht der "gemeine" Inder
ganz cool und rümpft nicht die Nase, zumal sein Akzent für uns
in aller Regel auch gewöhnungsbedürftig ist.
In diesem Workshop sind
Leute aus Bangladesh wie aus Kalkutta, aus Gutjarat, Tamil Nadu
und aus der Nähe von Bombay, es sind Hindus Buddhisten und
Moslems, die überwiegende Anzahl allerdings Christen aller
Couleur (Mennoniten
- aus einer trad. Friedenskirche - sind überproportional
vertreten).
So sind wir den Tag
über mit kurzen Vorträgen, Seminaren und Gruppenarbeiten, mit zu
lesenden Aufsätzen und vielen gemeinsamen Gesprächen in den
Pausen oder am Abend oder beim Essen versorgt. Es bleibt kaum
Zeit einmal an den Computer oder die E-Mails zu kommen, denn am
Nachmittag wollen natürlich auch unsere Töchter mal ran. Aber
ich denke, dass wird sich wieder ändern. Am Wochenende läuft die
Uhr etwas anders.
Insgesamt habe ich den
Aufenthalt bisher noch keinen Tag bereut. "Indien kann man nur
Lieben oder hassen" , sagt ein mir nicht bekannter
Indienerfahrener. Sicher gibt es immer wieder auch Dinge die
mich sehr irritieren, aber gibt es die nicht auch bei uns, wenn
wir mal durch eine Brille von außen sehen würden???
Für heute erstmal
soweit.
Liebe Grüße bis bald.
E-Mail mit Bildern vom Donnerstag, 15. Jan 2009 15:11
Ihr Lieben zu Hause!
Es hat einmal ein
bekannter Mensch - leider weiß ich nicht, wer, - gesagt: Indien
kann man nur lieben oder hassen. Das ist wahr, man muss sich auf
Land und Leute einlassen, auch wenn manches nervt.
Da morgen hier ein
Feiertag ist habe ich mir heute Abend Zeit genommen ein paar
Bilder von hier zusammenzustellen.
Einige beschreiben den Workshop der "Konfliktdeeskalation", ein
anderer Teil sind den Szenen aus dem Alltag gewidmet. Vor allem
aus dem Auto und im Verkehr gibt es immer ein paar
Schnappschüsse, die einen zum schmunzeln bringen können. Immer
wieder werden wir umringt und angefragt von den Indern, die
meist sehr zutraulich und manches mal auch ziemlich neugierig
sind.
Unsere Kinder besuchen
die Internationale Schule von Hyderabad. Leider müssen sie dazu
morgens über eine Stunde durch die Millionenstadt fahren. Aber
sie sind dort gut aufgehoben und haben sich an den langen Tag
gewöhnt. Langsam stellen sich auch die ein oder anderen privaten
Kontakte ein. So wird Ronja am Wochenende mal eine indische
Mitschülerin besuchen und wir werden morgen einer Einladung
unseres Fahrers in sein Haus folgen.
Hier im Workshop werden
unsere Probleme in Münster angesichts der Herausforderungen der
Gemeinden in Indien doch sehr beschaulich und klein. Gerade in
den abgelegeneren Gebieten vor allem im Nordosten Indiens. ´Dort
scheint Gewalt von Seiten der Polizei an der Tagesordnung zu
sein. 50 Jahre streiten sich dort schon Paramilitärs und die
Zentralregierung um die Herrschaft. Korruption und ein äußerst
rigides Vorgehen bleiben bei den Indern, die eher wie Thailänder
oder Chinesen aussehen, ein ernst zunehmendes Problem. Gerade
hier leben sehr viele Christen. Einige Friedensaktivisten
besuchen mit uns den Workshop.
Große Probleme bestehen
auch bei der Bevölkerungsexplosion und der Umweltverschmutzung.
Dabei ist für viele das Problem des täglichen Auskommens und der
Armut noch wesentlicher. 300 Mill. Inder leben laut Statistik
von weniger als 2 € am Tag an der absoluten Armutsgrenze.
Manchmal kann man es
einfach nicht fassen wie Menschen hier Leben, und was für ein
Lebenskünstler man hier sein muss um zu überleben.
Bilder vom Dienstag, 8. Jan 2009 17:42
E-Mail vom Dienstag, 8. Jan 2009 16:22
Liebe Freunde und
Bekannte!
Viele von euch wissen, dass wir mit unserer
Familie drei Monate in Indien sind. Wir sind vor nun 5 Tagen gut
angekommen und finden uns mehr und mehr zurecht. Sogar Mail und
Skype. Allerdings 4,5 Stunden sind wir früher am Tage dran. Wenn
ihr uns um 20Uhr skypt oder anrufen wolltet ist es bei uns schon
0,30 Uhr und die Bibliothek längst geschlossen (nämlich ab 10
Uhr).
Manchen habe ich versprochen mich per Mail zu
melden, bei manchen habe ich auch gar keine Adresse. So schreibe
ich die Mail mit der Frage ob, man informiert bzw. lieber nicht
informiert werden will.
Allzu viel kann ich nicht versprechen, was
die Häufigkeit des Schreibens angeht. Aber ich will mich
bemühen. Außerdem freut man sich hier immer wieder auch mal
etwas deutsches zu lesen.
So vieles gab es in den letzten Tagen zu
entdecken und organisieren, bis die Schule gefunden, das Geld
getauscht und der ganz normale Ablauf des Tages geregelt war.
Gleich am ersten Tag haben wir uns in das
Gewimmel der Stadt gestürzt. Ein kleiner Ausflug führte uns auf
den See, der in der Mitte von
Hyderabad liegt. Zwei Inder sprachen uns auf Deutsch an. Ein
Jahr sei der eine in Stuttgart gewesen und jetzt habe er wenig
Gelegenheit deutsch zu sprechen. Neben manchem Bedrückendem, was
sich gerade auch am Straßenrand abspielt, haben wir hier überall
eine große Aufgeschlossenheit, Freundlichkeit und
Hilfsbereitschaft erlebt, von der man in Deutschland wirklich
träumen kann. Hier ist eine Nation wirklich im Aufbruch.
Sehr froh sind wir auch darüber, dass sich
unsere Kinder so gut mit der neuen Situation arrangieren. Trotz
des langen Schulweges und des damit verbundenen frühen
Aufstehens sind sie guter Dinge und entwickeln sicher viel
schneller als ich ihre Englischsprachkenntnisse.
Hier im Institut gibt es täglich noch etwas
neues zu entdecken.
Da sind die beiden Ausländischen Gäste, die über ihre Arbeit
erzählt haben.
Ein Dozent aus Holland schreibt über "indische Jesusfilme".
Einen Vortrag machte er auch über den "Hinduismus in den
Niederlanden".
Eine Frau aus Südafrika hat uns Ihre
persönliche Entwicklung von ihrer Kindheit und Jugend in der
Zeit der Apartheid berichtet und ihre Auseinandersetzung mit
Ihrer Familie, die so ganz auf der Linie der damaligen Regierung
lag.
Das
Henry Martyn
Institut hat ein paar Soziale Einrichtungen an den
Brennpunkten zwischen den Muslimischen uns Hinduistischen
Wohnviertel dieser Millionenstadt.
Heute war ein Muslimischer Feiertag mit einer
Prozession, bei der sich manche zum Zeichen der Trauer ihre Haut
aufritzten. Es war ein schauriger Anblick.
Hier auf dem Gelände ist es recht friedlich.
Wie in einer Oase der Ruhe fühlt man sich hier. Security ist
auch in der Nacht da.
Überall in der Stadt stehen Sicherheitsleute. Die Anschläge in
Bombay haben hier wohl auch einiges bewirkt.
Der
Jetlag hat uns ein paar Tage zu schaffen gemacht, aber
langsam kommen wir in den Rhythmus und sind nicht mehr dann
müde, wenn man in Europa müde ist.
Schon fünf Minuten zu Fuß und die Strasse ist
voller Hektik, voller Lärm, überall wird gehupt. Der Verkehr ist
abenteuerlich.
Für heute soweit
Christoph Sames
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